Mopedunfall mit Zebukarren

Category: Land und Leute Published: Saturday, 04 April 2015 Written by Edi Schulz

Liebe Freunde der Villa Autriche!
 
Ein kleiner Bericht über die ärztliche Versorgung hierzulande. Serafin, unser Wächter und Neffe von Beza, hat wieder einmal einen Unfall gebaut. Er fuhr kurz vor uns mit dem Moped weg. Ein paar Minuten später wollten wir mit dem Auto nach Hell Ville fahren. Wir kamen nur etwa 300m weit und da lag unser Serafin auf der Straße, das Moped unter einem Zebukarren.
Was war passiert? Das Zebu sprang plötzlich zur Seite und Serafin kollidiert mit dem Karren. Er stürzte, verletzte sich an der Schulter und am linken Fuß, den konnte er nicht bewegen und das Knie nicht abbiegen.
Nachdem es bei uns in der Nähe passierte, waren einige Bekannte zur Stelle, sie kümmerten sich um das Moped. Wir verluden Serafin sofort in unser Auto und ab ging es ins Spital nach Hell Ville. Wenn man hier mit eingeschaltetem Warnblinker und aufgeblendeten Scheinwerfer fährt, hat man freie Fahrt. Jeder nimmt an, dass ein Verletzter oder Kranker transportiert wird.
Im Spital Hell Ville angekommen, mussten wir uns selbst um eine fahrbare Trage kümmern um  den Verletzten Serafin in den „Erste Hilfe Raum“ zu bringen. Dann erscheint der Doktor, schaut sich die Verletzung an, nimmt Bleistift und Zettel und schreibt auf was benötigt wird. Das ganze Verbandsmaterial, Desinfektion und Handschuhe.


Mit diesem Zettel wandert ein Angehöriger in die Spitalsapotheke, stellt sich in der Warteschlange an und wird dann endlich gefragt was gebraucht wird. Die Handschuhe werden aus einer Großpackung genommen und immer weitergereicht, bis sie bis zum Ausgabeschalter kommen. Auch mit dem anderen Material wird so verfahren.
Schließlich sind die Handschuhe nur dazu da, damit sich der Arzt nicht schmutzig oder gar blutig macht. Der Patient wird erst dann weiter untersucht, wenn das verschriebene Material auch vorhanden ist. Nachdem Serafin auch Schmerzen im linken Fuß hat, haben wir ein Röntgen verlangt. Ist ja kein Problem, aber es muss vorher bezahlt werden. Das ist hier so üblich. Ohne Geld geht da nichts.
Er wird stationär aufgenommen. Was soviel heißt, dass wir Bettzeug für ihn besorgen mussten. Er hatte Glück, denn am nächsten Tag wurde er in häusliche Pflege entlassen.
An der Schulter waren nur Hautabschürfungen und der Oberschenkel und Knie waren stark geprellt.
 
Was passierte nach dem Unfall an der Unfallstelle? Nach längerer Zeit tauchte die Polizei auf und vermaß dort die Situation. Das Moped und der Zebukarren wurde zur Polizeidienstelle gebracht. Das Zebu musste der Besitzer ebenfalls zur Dienstelle bringen!
Nachdem Serafin wieder aus dem Spital entlassen wurde, musste auch er zur Polizeidienststelle. Ich brachte ihn und Beza dorthin, dass ein Protokoll aufgenommen wird.
Nach ca. 4 Stunden rief mich Beza an, dass ich beide abholen kann. Die Verschuldensfrage war auch geklärt. Sie wurde dem Zebubesitzer zugesprochen. Da es keine Versicherung für den Zebukarren gibt, oftmals eine nicht ganz einfache Angelegenheit. Wie geht es nun weiter? Der Zebubesitzer muss das Moped reparieren lassen oder kaufen. Wenn nicht, wird das Zebu konfisziert und versteigert, den Erlös bekommt Serafin.

Wie sagt man? "...andere Länder andere Sitten"
Wir haben noch nicht heraus gebracht, was mit einem Patienten passiert, ob verletzt oder krank, der kein Geld hat und die Angehörigen nicht über die Mittel verfügen, um eine Behandlung bezahlen zu können.
Beza und ich waren letztes Jahr zur Kontrolle ihrer Augenverletzung  in der Universitätsklinik von Tana. Neben uns wurde eine Frau eingeliefert, die einen offenen Unterschenkelbruch hatte und zur Zeit unseres gesamten Aufenthaltes nicht einmal verbunden wurde. Was bedeutet dann die Aussage, Spitalsaufenthalt kostenlos -  Behandlung???

Liebe Grüße aus der Villa Autriche
Beza und Edi

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