Weihnachtsgeschichte 2010

Category: Dispensaire Published: Monday, 20 December 2010

Eine Weihnachtsgeschichte oder,
Hilfe für eine Dispensaire



Weihnachten ist bald, daher waren Beza und ich wieder einmal mit den in Österreich gesammelten Spenden unterwegs. Hier klingt es ein wenig sonderbar, Weihnachten, 30 Grad im Schatten und rundherum Palmen,   eigentlich passt es - im alten Jerusalem war es auch so.

Mein Wunsch war, einmal so eine Urwaldklinik zu sehen. Meine Frau Beza war diesbezüglich jedoch zurückhaltend. Auf mein Drängen sprach sie dann mit dem Fokotany (Bürgermeister) und Direktor Ravo Josselin, dass er uns die Dispensaire (Ambulanz) zeigt.

Vor ein paar Tagen haben wir mit dem Direktor der „Tsaiky Tsara Schulen“, der auch Chef der angeschlossenen Dispensairen ist, Kontakt aufgenommen. Als Président de Chefs Fokontany, unterstehen ihm auch die Chef Fokotany (Ortsvorsteher) der Insel und deshalb ist so ein Kontakt sehr wichtig!



Er erklärte uns, dass es auf Nosy Be eine Schule, mit Kindergarten und einem kleinen Hospital gibt. Es ist ziemlich abgeschieden, schwer erreichbar und die meiste Zeit auf sich allein angewiesen. Dort mangelt es an allem Erdenklichen.

Endlich war es soweit und wir machten uns auf den Weg. Die Ortschaft Andranobe ist nicht leicht erreichbar, abgeschieden und die meiste Zeit auf sich allein angewiesen. Dort mangelt es an allem was man sich vorstellen kann.


Seit ich in Madagaskar bin, habe ich mich an alles Mögliche gewöhnt, aber an diese Dispensaire kann man sich nicht gewöhnen. Die Urwaldklinik (kennen wir idealisiert aus den Geschichten Albert Schweitzers) wird reduziert auf eine ganz einfache Ambulanz, die nicht einmal mit einem Arzt besetzt ist.

Es ist peinlich wenn man fotografiert, Boden und Wand aus einfachen Brettern, sicher nicht dicht. Was da noch das Wort Hygiene wert ist, kann man sich unschwer vorstellen. An der Wand hängt eine Infusionsflasche am rostigen Nagel, so als Ausdruck der verfügbaren medizinischen Ausrüstung.



Jeder europäische Arzt würde es sicher ablehnen in dieser „Praxis“ zu arbeiten. Es gibt in dieser
Dispensaire auch keinen Arzt, die Behandlung der Patienten obliegt der Krankenschwester, sie ist auch Hebamme. Sie hat eine „Ausbildung“ als Krankenschwester im Krankenhaus von Hell Ville und natürlich auch die ganze Verantwortung.

Wir brachten einen großen Karton Verbandsmaterial, Verletzungen sind sehr häufig, oftmals können diese nur notdürftig versorgt werden.

Wir haben auch Medikamente mitgebracht. Beipackzettel in französisch vereinfachen die Verwendung. Bei allen anderen ist die Recherche aufwändig. Allerdings ist die einzige verfügbare Alternative, keine Medikamente zu haben und das ist noch viel schlechter. Einiges konnte sofort geklärt werden und für manches sind Rückfagen in der Klinik erforderlich. Wir sind behilflich so gut es eben geht.

Einen Karton Brillen hatten wir ebenfalls dabei, um sie den Leuten probieren zu lassen. Es ist schon ein etwas mühsames Unterfangen, ein Optikerlehrling könnte hier sehr gut trainieren. Jeder muß lesen, aber manche von den älteren Leuten können auch das nicht. Es ist immer wieder berührend, wenn ältere Leute freudestrahlend erzählen, sie sehen wieder besser. Man darf sich gar nicht vorstellen, wo die Menschen ein ganzes Leben lang vorbei laufen, wegen nicht behandelter Fehlsichtigkeit.


Am Rückweg lud ich Direktor Ravo Josselin zu uns nach Hause ein, um mit ihm besprechen zu können, wie wir dieser Dispensaire helfen können. Mein Vorschlag wäre gewesen, diese Hütte praxisgerecht herzurichten. Es ist nicht einfach, gewachsene, bzw. entstandene Strukturen spontan zu ändern. Noch dazu, wenn die verbesserte Situation auch weiterhin gut erhalten werden muss, was dann letztendlich auch mehr kostet.

Wir haben uns dann so geeinigt, dass wir mit der Krankenschwester in Verbindung bleiben und sie uns mitteilt, welche Medikamente sie vordringlich braucht. Wir kaufen diese Medikamente dann in den Apotheken von Hell Ville und bringen sie periodisch zu ihr. Ihr größter Wunsch war allerdings, ein Blutdruckmessgerät! So versorgen wir diese Einrichtung aus den Sach- und Geldspenden, soweit es eben geht. Geldbeträge werden nicht direkt ausbezahlt.

Edi Schulz, im Dezember 2010

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