Polioimpfung

Category: Dispensaire Published: Saturday, 19 December 2015 Written by Edi Schulz

Polio-Impfaktion auf Nosy Be
 
PolioimpfungVor einiger Zeit hatten wir Medikamente und Verbandsmaterial in die Dispensaire in Hell Ville gebracht. Dort fragte uns Dr. Rakotoarimiso, der Chef der Dispensaire, ob wir am Montag, 14.Sept um 8 Uhr Zeit hätten und zu ihm in die Ambulanz kommen zu können.
Er hatte zwar erklärt warum, aber ganz genau hatte ich es nicht verstanden. Doch die Neugier hatte gesiegt und wir standen zum vereinbarten Termin bei der Dispensaire.
Eine ansehliche Menge Leute waren da und drängten sich um den Eingang zum Arztzimmer. Bekleidet mit weißer Kappe und grünen oder orangen Umhang, manche hatten kleine Kühlboxen umgehängt. In meiner Neugier drängte ich mich zum Arzt durch, um zu erfragen weshalb soviel los ist. Dann hat sich die Geschichte aufgeklärt. Es wird Polio geimpft, aber nicht nur in dieser Dispensaire, es wird flächendeckend auf der ganzen Insel geimpft.
Da die meisten Leute glauben, dass die Impfung zu bezahlen ist, kommen sie nicht zur Dispensaire. Daher wird in die Ortschaften zu den Leuten hinaus gefahren, um dort die Leute zu erreichen.
Auch wir sind sozusagen eingeteilt und fahren mit einem Impfteam hinaus. Doch zuerst geht es zum Marktplatz, Ansprachen werden gehalten, die Leute werden instruiert und es wird besonders auf die Notwendigkeit der Polioimpfung hingewiesen. Die Helfer werden von Gouvernement bezahlt, für einen ganzen Tag bekommt ein Helfer 4.000.-- Ariary (3.400.-- Ariary sind 1.-- €)
Dann geht es in die Botanik, wir fahren nach Marodoka, wo wir vor ca. 2 Jahren die Quelleinfassung renovierten. Unser Auto ist für 7 Personen zugelassen, aber in diesem Fall waren wir 10 Personen.
Am Parkplatz haben wir das Auto zurück gelassen und zu Fuß ging es in Richtung Nationalpark. Es wird an alle Hütten geklopft und gefragt, ob Kinder bis zu 15 Jahren da sind.
Bei der ersten Hütte kam ein alter Mann heraus, dem man den Schock ansah. So viele Leute und noch dazu ist ein Vazaha (Weißer) dabei. Nur langsam beruhigte er sich, als ihm erklärt wurde um was es geht. Zaghaft kam das erste Kind aus der Hütte. Anfangs war es problematisch, dass es überhaupt den Mund, unter Tränen,  überhaupt öffnete. Erst als es merkte, dass es süß schmeckt, war der Bann gebrochen. Nun kamen auch die anderen Kinder herbei.
Einer vom Team hatte ein Megaphon dabei, er erklärte den Leuten, dass hier geimpft wird aber ohne Nadel. Vor dieser haben nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen große Angst. Am Strand tummelten sich ein paar Kinder, aber durch das Megaphon wurden sie angelockt. Zuerst kam ganz zögerlich nur einer, der mutigste, dem dann doch noch einer langsam folgte. Doch nachdem Schlucken des Impfstoffes  merkten sie, dass es nicht so schlecht schmeckt. Zurück zum Strand waren sie schneller und nach den Gesten  zu urteilen, erklärte er den anderen, dass es wie Bonbons schmeckt. Nun war ein Mädchen, 5-6 Jahren alt, daran. Das war ein Signal für alle, damit waren sie von der Impfung überzeugt. Den Kindern wurde der Fingernagel des kleinen Fingers mit Filzstift markiert, um Doppelimpfungen zu vermeiden.
Im indischen Dorf ging es erst schleppend voran, doch wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht, dass das Impfen nicht weh tut und sogar gut schmeckt, sofort war der Platz voll mit Kindern. Das Mädchen (die Helferin), das den Impfstoff verabreichte, machte es vor, wie es geht. Sie machte nämlich jedes Mal den Mund weit auf, wenn sie die Tropfen verabreichte. Zu Fuß geht es zurück nach Hell Ville, damit in allen Häusern die Kinder geimpft werden können.
Für uns war es ein besonderes Erlebnis,  zu sehen, dass die medizinische Versorgung auch wieder einen kleinen Fortschritt gemacht hat.
Am liebsten wäre wir den ganzen Tag dabei gewesen, um die Impfaktion, besonders aber die Kinder zu beobachten. Aber am Nachmittag wird unser Auto beladen und es geht mit 9 Spendenpaketen ins Hochland von Bobakindro!
Wie schon geschrieben ist Morgen um 5 Uhr die Abreise zum Hafen und dann mit dem Auto über Ambilobe, Vohemar nach Bobakindro zu einem Fest von Beza`s Familie. 2 Zebus werden dabei geschlachtet und gegessen, aber es ist Fomba (Brauchtum).




Bis zum Nächsten Mal, liebe Grüße aus der Villa Autriche
Beza und Edi

Hits: 975

MASOA hilft vor Ort


Wir wissen, dass wir die Welt nicht retten können. Wir wissen aber auch, dass die Menschen, besonders die jüngeren, längst ganz genau wissen, dass Europa immer reicher und Afrika immer ärmer wird. Helfen Sie uns, damit wir hier vor Ort helfen können.

Die Menschen hier sind sehr bescheiden, sie nehmen Hilfe an und sind auch mit einem einfachen Leben sehr zufrieden.